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Gedanken zum “Come Back” – Danke an unsere Mitarbeiter

By 11. Mai 2020Lifestyle

Ein paar Gedanken und Eindrücke zur ersten Woche nach dem Restart unserer Salons.

Die ersten Tage liegen hinter uns, den freien Sonntag haben wir genutzt um Energie zu tanken, uns auszurasten, aber auch um die ersten Tage Revue passieren zu lassen und die emotionalen Eindrücke zu verarbeiten.

Zu Beginn steht aber ein endlos großes Dankeschön an unsere einzigartigen Mitarbeiter die in den letzten Tagen großartiges geleistet haben, und an die vielen Treuen Kunden die so dankbar, geduldig und voller Wertschätzung ihren Friseurtermin in Anspruch genommen haben. DANKE von Herzen.

 

Die letzten beiden Nächte vor der Öffnung waren wir alle ziemlich unruhig, wir konnten gar nicht richtig schlafen. Ich selber bin die ganze Nacht wach gelegen. Im Hinterkopf noch die Existenzängste eines Unternehmers,  vor Augen die Ungewissheit dieser Gesundheits- und Wirtschaftskrise in einer noch nie dagewesenen Dimension.

Wir alle waren einfach nur Nervös, fast wie bei einer Geschäftseröffnung, nur viel stärker.  Viele von uns haben noch nie 7 Wochen am Stück nicht Haare geschnitten, noch nie zum Nichtstun gezwungen.

Wir haben alles bis ins Detail vorbereitet um die neue Situation zu meistern, unseren Mitarbeitern aber vor allem Kunden den bestmöglichen Schutz zu bieten, aus Verantwortung.  Die Salons wurden umgestellt teilweise sogar etwas umgebaut damit die Abstände und Auflagen eingehalten werden können. Desinfektionsmittel, Schutzmasken, Visiere, Einmal Umhänge und v.m. besorgt,  Zeitungen weggeräumt, Mitarbeiter  auf die neuen Abläufe eingeschult.  Das Terminsystem auf die neuen Abläufe und Platzkapazitäten adaptiert, Arbeitspläne abgestimmt…. überlegt was geht, und was nicht geht.   Die gesetzliche Verordnung wurde erst am Donnerstag um 22.00h veröffentlicht, spät – aber wir hatten fast alles berücksichtigt. Den Rest haben wir noch am Feiertag nachjustiert.

Mein Fazit: Zusperren ist leichter als wieder aufsperren.

Dann endlich der erste Tag, die ersten Kunden,  ein ungewohnter Anblick – alle Mitarbeiter mit Masken im chaosdesign,  froh einfach nur wieder Arbeiten zu können, ein Leuchten in den Augen, die Kunden ebenfalls, erwartungsvoll und aufgeregt.  Die Abläufe für uns noch sehr  ungewohnt, zum Teil zeitraubend.  Die Kunden trozdem sehr verständnisvoll, teilweise voller Demut und Dankbarkeit.

Am schwierigsten ist es für uns zur Zeit auf die Mimik, den Gesichtsausdruck die Bewegung der Lippen zu verzichten.  Erst jetzt stelle ich fest wie oft wir unbewusst Lippen lesen, wenn der Lärmpegel zu groß wird.  Wir verständigen uns jetzt einfach mit einem Augenblinzeln.

Die Kommunikation mit dem Kunden, aber auch zu den Kollegen plötzlich viel anstregender, lässt sich im Moment nicht ändern, es ist wie es ist.

Der Salon ist die ersten Tage voll ausgebucht, mehr geht einfach nicht  – dazu klingelt das Telefon pausenlos. Einige wollen es noch immer nicht glauben, dass es kurzfristig keine Termine gibt.   Irgendwann wird dem Telefon einfach der Stecker gezogen. Da sind aber noch die Kunden die es einfach so probieren, leider müssen wir sie enttäuscht wegschicken.

Die Stimmung im Salon ist die ersten Stunden angespannt, machen wir alles richtig? Schaffen wir das über den ganzen Tag? Sind die Kunden zufrieden, verstehen Sie die Maßnahmen. Wie gehen Sie damit um dass wir weniger Service, keine Zeitungen anbieten, können Sie den Friseursbesuch trotzdem geniessen? Ja, Sie tun es, sie haben lange darauf gewartet.

Haben Sie Verständnis für unsere Preisanpassung? Die Kosten sind gestiegen, die Kollektivlöhne noch im 1. April während der Krise erhöht worden, Desinfektionsmittel und Masken kosten derzeit ein vielfaches von früher, Einwegmäntel und Handschuhe ebenso wenn man sie überhaupt bekommt. Auch unsere Lieferanten haben die Preise erhöht, wir auch die Kosten können wir nach 7 Wochen Stillstand nicht schlucken – verstehen und akzeptieren das die Kunden? Ja, die meisten haben Verständnis dafür, unsere Arbeit wird ehrlich wertgeschätzt wie noch nie.

Ja, fast alle Kunden haben ein neues Verständnis für echte Handarbeit, dafür ein großes Danke schön. Wir hoffen dass wir schon bald unser Service erweitern können, inzwischen geben wir unser bestes.

Wir machen uns  Gedanken über jene die keinen Termin haben, oder  wir vielleicht jemanden übersehen haben, wohlwissend dass  nicht alle Ihren Wunschtermin bekommen haben? Haben wir jemand vergessen?  Ich weis es nicht.  Ein paar Kunden haben wo anders einen früheren Termin bekommen, ja wir werden auch Kunden verlieren – aber es geht nicht – wir können nicht 7 Wochen in wenigen Tagen aufholen, wir können nicht alle bedienen. Es braucht Geduld und Verständnis von allen, die meisten bringen es mit.

Unsere Mitarbeiter würden gerne noch länger arbeiten um Kunden eine Termin zu geben, nur Sie dürfen es nicht. Die  Arbeitszeiten sind gesetzlich einzuhalten, es gibt Strafandrohung, aber mehr schaffen Sie auch Körperlich nicht, obwohl sie wollen.

Das Arbeiten mit Maske im Vollbetrieb ist anstrengend und Kräfteraubend, auch Nichtrauchter brauchen plötzlich eine kurze Pause um Frischluft aufzusaugen. 2 min und es geht schon wieder weiter. Friseur ist ein Emotional und Kräfteraubender Job, das wird uns erst jetzt wieder bewusst.

Die Farbansätze sind größer als gedacht, das Farbauftragen und Strähnen dauert oft länger als geplant – es ist einfach mehr zu färben als bisher. Upps, das Farblager wird schneller leer als geplant, zwischen 2 Kunden noch schnell die Bestellung rausjagen, damit Nachschub kommt.

Am Ende des ersten Arbeitstag bleibt eine emotionale Leere, wir können das geleistete noch gar nicht verarbeiten. Wir gehen ohne zu Essen einfach nur Schlafen. Alle sind kaputt.

Dann geht es weiter, und schon am 2. Tag bekommen wir Routine in den neuen Ablauf, wir gewöhnen uns an den Geruch von Desinfektonsmittel, an die Müllberge durch die Einwegumhänge an die Einschränkungen mit der Maske.  Die Zuversicht steigt, das Terminbuch ist für die nächsten Wochen super gefüllt.  Die Existenzangst als Unternehmer aber auch die der Mitarbeiter nimmt ab.  Wir glauben fest daran,  es gibt ein großes #comeback – wir schaffen das und wir werden wieder schon bald wieder   ein stabiles Geschäft haben. Sind Froh wieder arbeiten zu dürfen.

Ab dem 3. Tag wird es konditionell schwer, emotional aber leichter. Es scheint dass wir es allmählich drauf haben,  wenn uns trotzdem ein Fehler passiert sind da immer noch die verständnisvollen Kunden, die viel geduldiger als vor Coronazeiten sind. Wir zwinkern uns zu, die Kommunikation klappt.

Und plötzlich gibt es Sie doch,  die ersten Kunden die ohne Rückmeldung Ihre Termine platzen lassen.  Trotz Terminbestätigung und Erinnerungs SMS keine Absage. Auf den Rückruf nicht reagiert – ganz schön frech.  Das ärgert mich sehr, ja zum einen wegen dem Umsatzausfall , Umsatz den wir jetzt so dringend brauchen – noch viel mehr aber für die vielen Kunden die diesen Termin  so gerne in Anspruch genommmen hätten.  Das ist einfach unfair – gegenüber unseren anderen Kunden die hart und verzweifelt auf Ihren Termin warten müssen und nicht drankommen. Wie soll man damit umgehen. Wir werden es künftig definitv in Rechnung stellen. Aus Fairness gegenüber den verlässlichen Kunden.

Am Ende der Woche bin ich Stolz! Stolz auf unsere Mitarbeiter und Franchisepartner, Stolz auf unsere Kunden, Stolz auf unser Konzept.

Wir sind am Weg zurück in die neue Normalität, der Virus ist noch da – die Maßnahmen werden uns noch länger begleiten.  Ich bin optimistisch, habe aber Respekt wie es in den nächsten Wochen weitergeht. Kommt die 2. Welle? Wie lange können wir unsere Nachfrage und Auslastung halten. Respekt auch aufgrund der Rückmeldung von anderen Branchen die noch nicht zufrieden mit der Auslastung oder Umsätzen sind.  Auch weil wir wissen dass es noch viele Kunden gibt, die sich noch nicht trauen, weil Sie einfach Angst haben. Angst vor dem Virus, Angst vor der finanziellen Unsicherheit.

Noch sind wir in der Kurzarbeit,  mit einem Durchrechnungszeitraum.  Jede Stunde die jetzt gearbeitet wird, veringert unseren Kurzarbeitsanteil, daraüber bin ich froh. Wir sind geschaffen um zu arbeiten, geschaffen um kreativ zu sein. Aber die Kurzarbeit hat unsere Arbeitsplätze abgesichert.

Finanziell ist noch nicht alles geregelt. Mit den laufenden Umsätzen wird es aber leichter alles abzuarbeiten, die Zukunft in gesicherte Bahnen zu lenken. Es gibt das Licht am Ende des Tunnels. Hilfreich wäre wenn dann endlich die Unterstützung der Kurzarbeit ausbezahlt wird.

Wichtig ist jetzt dass die regionale Wirtschaft wieder aufersteht, mit Ende dieser Woche kommt die Gastro wieder in Schwung, dann hofffentlich auch bald wieder der Tourismus. Existenzsicherung und Einnahmequelle für viele unserer Kunden. Jeder Betrieb der aufgibt ist einer zu viel.

Ich jedenfalls werde ab jetzt wieder mein Geld ausgeben, in der regionalen Wirtschaft. Die Stadt Wörgl hat es in der Weltwirtschaftskrise schon einmal bewiesen, mit dem Freigeldprojekt wurde der Weltwirtschaftskrise getrotzt und die lokale Wirtschaft gestärkt.  Wenn das Geld in der lokalen Wirtschaft ausgegeben wird, entstehen Jobs, das Geld fliesst und kommt zurück.

So werde ich künftig einfach  öfter als früher Blumen kaufen, einen Kaffee trinken, endlich wieder mit Freunden Essen gehen, noch bewusster regionale Produkte und Lebensmittel kaufen. Das alles in dem Bewusstsein, dass damit regionale Jobs abgesichert werden.  Ich möchte es nie mehr erleben dass die Stadt so leer ist wie in den letzten 7 Wochen.

Vielleicht geht es Euch auch so – dann schaffen wir es dass wir ein großes ComeBack erleben.

 

 

 

Joe Weißbacher

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