Lehrlingsmangel ist kein Schicksal –
Ausbildung braucht Verantwortung!
Mit großem Interesse habe ich die aktuelle Pressekonferenz der Bundesinnung zum Thema Lehrlingsmangel und die sinkende Zahl an Ausbildungsbetrieben verfolgt.
Die Herausforderungen sind real. Immer weniger Betriebe bilden aus, gleichzeitig steigt der Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Doch wir sollten aufpassen, diese Entwicklung nicht als unveränderbares Schicksal zu akzeptieren.
Als Unternehmer, Friseurmeister und Ausbilder erlebe ich seit mehr als 30 Jahren, dass Ausbildung vor allem eine Frage der Haltung ist.
Bei chaoshairconcept gehen wir bewusst einen anderen Weg als der aktuelle Branchentrend. Seit drei Jahrzehnten sind wir ein verlässlicher Ausbildungsbetrieb und investieren Jahr für Jahr in junge Menschen. Auch heuer werden wir wieder mehrere junge Friseurinnen und Friseure aufnehmen und ihnen den Einstieg in eine berufliche Karriere ermöglichen.
Dabei reicht es nicht, Lehrlinge einzustellen.
Man muss ihnen Perspektiven geben.
In vielen meiner bisherigen Veröffentlichungen habe ich darauf hingewiesen, dass junge Menschen heute mehr brauchen als fachliche Ausbildung. Sie brauchen Orientierung, Vertrauen und die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen.
Mein Leitsatz lautet:
„Lehrlinge sollen im Betrieb Verantwortung übernehmen, statt nur Anweisungen zu befolgen.“
Lehrlinge sind die Zukunft unserer Betriebe – aber nur dann, wenn wir ihnen zutrauen, mitzudenken, Entscheidungen zu treffen und an ihren Aufgaben zu wachsen.Aus diesem Gedanken heraus haben wir bei chaoshairconcept spezielle Lehrlingsseminare entwickelt. Dort stärken wir gezielt Kommunikation, Teamfähigkeit, Selbstorganisation und Eigenverantwortung – Fähigkeiten, die im Berufsalltag oft genauso wichtig sind wie handwerkliches Können.
Praxisnah. Umsetzbar. Sofort wirksam im Betrieb.
Gerade in Zeiten von Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung sollten wir jungen Menschen auch eines klar vermitteln:
Der Friseurberuf ist ein Zukunftsberuf und in hohem Maße KI-sicher.
Eine KI kann Bilder erzeugen, Texte schreiben oder Daten analysieren. Sie kann aber keine persönliche Beratung ersetzen, keine Emotionen erkennen, kein Vertrauen aufbauen und keine handwerkliche Dienstleistung am Menschen erbringen. Unser Beruf lebt von Kreativität, Persönlichkeit, Kommunikation und direktem Kontakt. Genau deshalb bietet er auch langfristig sichere Perspektiven.
Umso weniger nachvollziehbar ist es, wenn Ausbildungsbetriebe gleichzeitig mit Kürzungen konfrontiert werden. Die Politik sollte die beschlossene Reduktion der Lehrlingsförderungen um 25 Prozent dringend überdenken. Wer mehr Fachkräfte fordert, darf nicht gleichzeitig jene Betriebe schwächen, die diese Fachkräfte ausbilden.
Ausbildungsbetriebe brauchen Unterstützung statt zusätzlicher Belastungen. Jeder Lehrling bedeutet für einen Betrieb erhebliche Investitionen in Zeit, Betreuung, Weiterbildung und Infrastruktur. Diese Investitionen kommen, der gesamten Wirtschaft und Gesellschaft zugute.
Die Verantwortung für die Zukunft der dualen Ausbildung liegt jedoch nicht allein bei den Unternehmen.
Unternehmer müssen bereit sein, Zeit, Geld und Engagement in die nächste Generation zu investieren.
Eltern sollten ihren Kindern vermitteln, dass eine Lehre kein Plan B ist, sondern der Beginn einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn mit hervorragenden Entwicklungs- und Verdienstmöglichkeiten.
Und auch Kunden tragen Verantwortung. Wer bewusst Ausbildungsbetriebe unterstützt, trägt aktiv dazu bei, dass junge Menschen Chancen erhalten und qualifizierte Fachkräfte für die Zukunft entstehen.
Wir brauchen weniger Diskussion darüber, warum Ausbildung schwieriger geworden ist, und mehr Menschen, die Verantwortung übernehmen. Denn Fachkräfte entstehen nicht durch Forderungen, sondern durch Ausbildung.
Joe Weissbacher
Geschäftsführer chaoshairconcept
Mitglied der Intercoiffure Österreich
Ausbilder aus Überzeugung seit über 30 Jahren